Relaunch

Website-Relaunch: Wann er sich lohnt

Ein Relaunch lohnt sich, wenn Technik, Aufbau oder Inhalte Ihre Website grundsätzlich bremsen und Einzelmaßnahmen das nicht mehr lösen. Ein veraltetes Aussehen allein ist kein Grund.

Zwei Personen sitzen an einem großen Holztisch in einem Atelier und besprechen gemeinsam eine Website auf dem Laptop

Erst messen, dann entscheiden

Bevor Sie über einen Relaunch nachdenken, brauchen Sie Zahlen. Starten Sie den Speed-Test und notieren Sie die Gesamtnote mobil und am Desktop sowie die Werte für LCP, CLS und TBT. Ein Relaunch ist aufwendig genug, dass er auf Messwerten beruhen sollte und nicht auf einem Bauchgefühl. Ergänzen Sie aus Ihrer Besucherstatistik, falls vorhanden, drei Angaben: den Anteil mobiler Besuche, die Absprungrate je Gerät und die Zahl der Anfragen oder Bestellungen pro Monat.

Die Messung beantwortet zwei Fragen. Erstens: Wie weit liegt die Seite von den Grenzwerten entfernt? Eine mobile Note von 85 lässt sich mit wenigen Handgriffen verbessern. Eine Note von 30 hat meist strukturelle Gründe. Zweitens: Was bremst? Liegt es an großen Bildern, ist die Lösung günstig. Liegt es an der Technik des Baukastens, wird sie aufwendig. Die fünf Verbesserungen aus dem Test zeigen die Richtung, die Liste Website schneller machen ordnet sie nach Aufwand. Wie die Kennzahlen zu lesen sind, steht unter Core Web Vitals erklärt.

Beachten Sie dabei den Unterschied zwischen Labor- und Felddaten. Der Test misst im Labor unter festen Bedingungen. Haben genug echte Besucher Ihre Seite mit Chrome aufgerufen, zeigt Google zusätzlich Felddaten der letzten 28 Tage (Chrome UX Report, Stand Oktober 2026). Weichen beide stark voneinander ab, lohnt ein zweiter Blick: Vielleicht sind Ihre Besucher mit schnelleren Geräten unterwegs, als der Test annimmt, oder die Seite reagiert erst nach Eingaben träge, was ein Ladetest nicht auslöst.

Wann Flicken nicht mehr reicht

Ein Relaunch lohnt sich meist, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • Die mobile Note bleibt niedrig, obwohl die einfachen Maßnahmen erledigt sind. Sind Bilder optimiert, Komprimierung und Zwischenspeicher aktiv und Skripte entschärft, die Note aber trotzdem schwach, liegt die Ursache im Fundament: Theme, Seitenbaukasten oder eingebundene Pakete.
  • Jede Änderung ist mühsam. Wenn eine Textänderung Stunden dauert oder Aktualisierungen regelmäßig etwas kaputt machen, kostet die Seite laufend Geld, auch ohne Relaunch.
  • Die Technik wird nicht mehr gepflegt. Systeme, Erweiterungen oder Bibliotheken ohne Sicherheitsupdates sind ein Risiko für Betrieb und Besucher.
  • Die Seite ist am Handy schwer bedienbar. Winzige Schrift, enge Knöpfe oder seitliches Scrollen lassen sich in alten Layouts oft nicht sauber nachrüsten.
  • Angebot und Aufbau passen nicht mehr zusammen. Zeigt die Seite Leistungen, die es nicht mehr gibt, und beantwortet sie die wichtigen Fragen Ihrer Kunden nicht, hilft mehr Tempo allein nicht.
  • Barrierefreiheit fehlt. Fehlende Beschriftungen, schwacher Kontrast oder keine Tastaturbedienung sind in gewachsenen Seiten schwer nachträglich zu beheben.

Als Faustregel gilt: Trifft kein oder nur ein Punkt zu, genügen gezielte Verbesserungen. Bei zwei oder drei Punkten lohnt eine genaue Kostenrechnung. Bei vier oder mehr ist ein Neubau in der Regel die ehrlichere Lösung. Das ist eine Daumenregel und kein Messwert.

Wann Einzelkorrekturen genügen

Der Speed-Test zeigt oft, dass wenige Ursachen den größten Teil der Bremswirkung erzeugen: zu große Bilder, fehlende Komprimierung, ein einzelnes schweres Skript eines Drittanbieters oder Schriften ohne Ersatzschrift. Das sind Aufgaben für Stunden oder wenige Tage. Passen Inhalt, Aufbau und Gestaltung außerdem gut zu Ihrem Angebot, ist Optimieren sinnvoller als Neubauen. Beginnen Sie in diesem Fall bei den Maßnahmen mit geringem Aufwand und messen Sie nach jedem Schritt neu.

Rechenbeispiel: Flicken oder neu bauen

Das Beispiel verwendet frei gewählte Werte und ist keine Preisangabe. Ersetzen Sie sie durch die Zahlen aus Ihren Angeboten. Verglichen werden die Gesamtkosten über drei Jahre.

Gesamtkosten über 3 Jahre (Beispielwerte)

A: Einmalige Optimierung
2.400 €
A: Laufende Pflege der Altlasten, 3 × 1.200 €
3.600 €
A: Summe
6.000 €
B: Einmaliger Neubau
5.800 €
B: Laufende Pflege, 3 × 400 €
1.200 €
B: Summe
7.000 €
Mehrkosten des Neubaus
1.000 €

Im Beispiel kostet der Neubau über drei Jahre 1.000 Euro mehr. Dem stehen Vorteile gegenüber, die in dieser Rechnung fehlen. Rechnen Sie deshalb den Nutzen dazu. Bringt die neue Seite zwei Anfragen mehr pro Monat und ist eine Anfrage im Mittel 100 Euro Deckungsbeitrag wert (ebenfalls frei gewählt), ergibt sich:

Nutzen minus Mehrkosten (Beispielwerte)

2 Anfragen × 100 € × 36 Monate
7.200 €
Mehrkosten des Neubaus
− 1.000 €
Ergebnis über 3 Jahre
6.200 €

Bleibt der Nutzen aus, bleibt es bei den 1.000 Euro Mehrkosten. Die Entscheidung hängt also an der Annahme, wie viele zusätzliche Anfragen oder Bestellungen eine schnellere, klarere Seite bringt. Schätzen Sie vorsichtig und rechnen Sie mit einer Spanne statt mit einem Wert.

Was ein Relaunch nicht automatisch löst

Eine neue Seite ist nicht automatisch schnell. Schwere Bilder, viele Skripte und überladene Baukästen bremsen auch den Neubau, wenn niemand Zielwerte vorgibt. Neue Technik schreibt außerdem keine besseren Texte, und eine neue Seite bringt nicht von allein Besucher. Ein Relaunch ist ein Anfang: Er schafft eine saubere Grundlage, auf der Inhalte, Pflege und Sichtbarkeit weiter wachsen können.

Legen Sie deshalb vor dem Start fest, was nach dem Neubau besser sein soll, und prüfen Sie es nach dem Start mit denselben Messungen wie vorher.

So läuft ein Relaunch ohne Verluste ab

  1. Ziele festlegen. Was soll die Seite leisten: Anfragen, Verkäufe, Information? Formulieren Sie das messbar.
  2. Bestand aufnehmen. Listen Sie Seiten, Texte, Bilder und Adressen auf. Welche Seiten bringen Besucher, welche sind ungenutzt?
  3. Adressen sichern. Behalten Sie bestehende Adressen, wo möglich. Ändern sie sich, legen Sie dauerhafte Weiterleitungen (HTTP 301) von der alten auf die neue Adresse an. Sonst gehen Verlinkungen und Suchtreffer verloren.
  4. Struktur und Inhalte klären. Wer sucht was? Aktualisieren Sie Texte, statt sie nur umzuziehen.
  5. Mit Tempo-Zielen umsetzen. Legen Sie vorab Zielwerte fest, etwa eine mobile Gesamtnote ab 90 und einen LCP bis 2,5 Sekunden, und prüfen Sie jedes Zwischenergebnis.
  6. Testen. Prüfen Sie Handy, Tastaturbedienung, Formulare, Weiterleitungen und Rechtstexte.
  7. Umziehen und nachmessen. Messen Sie nach dem Start erneut, beobachten Sie Statistik und Fehlerseiten und korrigieren Sie, was auffällt.

Impressum und Datenschutzerklärung müssen nach dem Umzug weiterhin stimmen, mehr dazu im Abschnitt Rechtliches beim Umzug.

Was Sie einem Dienstleister mitgeben

Ob Agentur, Freelancer oder Chat-Werkzeug: Je klarer der Auftrag, desto weniger Rückfragen und Nacharbeit. Legen Sie diese Unterlagen bereit:

  • die Messwerte der alten Seite für mobil und Desktop als Ausgangspunkt,
  • die Zielwerte, etwa einen LCP bis 2,5 Sekunden und eine mobile Gesamtnote ab 90,
  • die Liste der bestehenden Seiten und Adressen, mit Hinweis, welche bleiben, zusammengelegt werden oder wegfallen,
  • die aktuellen Texte, Bilder und Rechtstexte,
  • die Zugänge zu Domain, Hosting und Statistik.

Fragen Sie im Angebot außerdem, wie das Ergebnis geprüft wird. Wer Messwerte als Abnahmekriterium akzeptiert, nimmt das Tempo ernst.

Rechtliches beim Umzug

Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Geschäftsmäßige Online-Angebote brauchen in Deutschland ein Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz, und wer personenbezogene Daten verarbeitet, informiert darüber nach Artikel 13 der DSGVO. Beides muss auf der neuen Seite erreichbar sein und zu den dort eingesetzten Diensten passen. Verkaufen Sie online an Verbraucher, prüfen Sie zusätzlich das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz; für Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen sieht es Ausnahmen vor. Stand: Oktober 2026. Rechtslage und Fassungen können sich ändern, prüfen Sie die verlinkten Quellen.

Typische Fehler beim Relaunch

  • Design vor Inhalt. Wer zuerst Farben und Bilder wählt und danach überlegt, was die Seite sagen soll, baut oft eine schöne Hülle ohne Antwort auf die Fragen der Besucher.
  • Adressen ohne Weiterleitung ändern. Jede alte Adresse, die ins Leere läuft, verschenkt Besucher und bestehende Verlinkungen.
  • Tempo nicht als Ziel festlegen. Ohne Zielwerte landen am Ende wieder große Bilder und viele Skripte auf der Seite.
  • Nur am Desktop testen. Die meisten Probleme zeigen sich am Handy, mit langsamerer Verbindung und kleinerem Bildschirm.
  • Alles eins zu eins übernehmen. Veraltete Texte, doppelte Seiten und Bilder in Übergröße wandern sonst ungeprüft in die neue Seite.
  • Messung vor dem Start vergessen. Ohne Ausgangswerte lässt sich später nicht belegen, ob der Neubau etwas gebracht hat. Speichern Sie die Messwerte der alten Seite vorher.

Planen Sie außerdem genug Zeit für Tests und Korrekturen ein. Ein Relaunch, der unter Termindruck ohne Nachkontrolle online geht, verliert oft genau das, was an der alten Seite funktioniert hat.

Checkliste vor der Entscheidung

  • Gesamtnote und Core Web Vitals mobil und am Desktop gemessen und notiert
  • Einfache Maßnahmen wie Bilder, Komprimierung und Zwischenspeicher umgesetzt oder eingeplant
  • Ursache der Bremswirkung eingegrenzt: Inhalte, Bilder oder Technik
  • Pflegeaufwand und Update-Fähigkeit der aktuellen Seite bewertet
  • Kosten beider Wege über drei Jahre verglichen
  • Ziele für den Neubau messbar formuliert
  • Bestehende Adressen und Inhalte erfasst, Weiterleitungen geplant
  • Zielwerte für Tempo vor Projektstart festgelegt

Fällt die Entscheidung für einen Neubau, können Sie auf webseite-mit-ki-erstellen.de in einem Chat beschreiben, was Ihre neue Website leisten soll, und einen kostenlosen Entwurf anfordern.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man eine Website neu bauen?

Eine feste Frist gibt es nicht. Sinnvoll ist eine regelmäßige Prüfung, zum Beispiel einmal im Jahr: Messwerte, Technik, Inhalte und Ziele. Erst wenn diese Prüfung grundsätzliche Probleme zeigt, ist ein Neubau ein Thema.

Verliere ich durch einen Relaunch meine Platzierungen bei Google?

Nicht zwangsläufig, aber das Risiko steigt, wenn sich Adressen ändern oder Inhalte wegfallen. Mit gleichbleibenden Adressen oder dauerhaften Weiterleitungen, übernommenen Inhalten und einer Nachkontrolle halten Sie es klein. Eine Garantie gibt es nicht.

Was kostet ein Relaunch?

Das hängt von Umfang, Technik und Inhalten ab. Eine seriöse Zahl lässt sich erst nach einer Bestandsaufnahme nennen. Das Rechenbeispiel im Beitrag zeigt, wie Sie Angebote über drei Jahre vergleichen.

Wie lange dauert ein Relaunch?

Eine verlässliche Dauer lässt sich erst nach der Bestandsaufnahme nennen. Sie hängt vor allem davon ab, wie schnell Texte und Bilder fertig sind. Planen Sie dafür und für Tests ausreichend Zeit ein, bevor Sie einen Starttermin zusagen.

Reicht es, nur das Design zu erneuern?

Wenn Technik und Aufbau gut sind, ja. Ein neues Design auf alter, langsamer Technik verbessert die Ladezeit aber selten. Prüfen Sie vorher mit dem Speed-Test, wo die Bremse sitzt.

Über den Autor

Markus Offermann

Geschäftsführer der Cortexion GmbH

Wirtschaftsinformatiker und Anwendungsentwickler. Verantwortet bei Cortexion Technik und Betrieb: Anwendungsentwicklung, Barrierefreiheit, Ladezeiten, Hosting und Datenschutz.

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